Über welche charakterlichen Eigenschaften sollte aus personalberaterischer Sicht der Führungsnachwuchs in Unternehmen verfügen

Juli 2002

Vorbei sind die Zeiten, in denen der Assistent des Vorstandsvorsitzenden den Garantieschein für eine Managerkarriere gleich mitgeliefert bekam. Um so wichtiger ist daher die Erkenntnis, dass ein Lebenslauf, bebildert mit frühzeitiger Übernahme von Risiko und Verantwortung, wesentlich positiver zu werten ist, als die bisher so hoch beachteten guten Noten und Examina aus den Eliteschmieden. Gefragt sind auf allen Ebenen risikobereite und zupackende Persönlichkeiten, die sich ihrer künftigen Führungsrolle durch Leistung und engagiertem Einsatz erarbeiten. Einserkandidaten und Musterschüler, die erfahrungemäß nur selten das Profil für eine starke Unternehmerpersönlichkeit erfüllen, haben immer weniger die Chance, automatisch auf den Verteiler für Führungsnachwuchs aufgenommen zu werden. Zu den besonders geschätzten Anlagen, die sich oft im Laufe erster beruflicher Erfahrungen zeigen, gehören neben dem strategischen, kreativen Denken ein kämpferisches Gespür für Marktmöglichkeiten und die Fähigkeit, Menschen zu überzeugen, sowie ein ausgeprägtes kritisches Kostenbewusstsein. Wichtig ist zudem Mut und die Fähigkeit sich zu eigenen Fehlern auch zu bekennen. Der eiserne Wille zum Erfolg ist natürlich die Voraussetzung für jede Karriere. Unabdingbar ist auch die absolute Aufrichtigkeit im Umgang mit Menschen, sowohl mit Mitarbeitern und Kollegen als auch mit Kunden. Für den Einsteiger mit solchen Eigenschaften bleibt allerdings ein Risikofaktor: Der Vorgesetzte gehört nicht zwangsläufig zur gleichen Charaktergruppe. Woran erkennt man also jenen gesuchten Vorgesetzten, der den starken Nachwuchs fordert und fördert? Vorsicht vor jenen Chefs, die auf der Woge des Erfolgs stets empfänglich sind für Schmeicheleien und ihre Erfolge immer aufs neue publizieren müssen. Natürlich darf der Mann an der Spitze auch ein gesundes Ego haben. Doch starke Persönlichkeiten erkennt man daran, dass sie dem sorgfältig ausgewählten Nachwuchs mit Respekt begegnen und seine Entwicklung gezielt fördern. Von seinen Mitarbeitern erwartet man keine Unterwerfungen, sondern das, was man von sich selbst verlange: Höchstleistungen und konzentrierter Einsatz zum Wohle des Unternehmens. Dass der unternehmerische Erfolge sich auch im persönlichen Erfolg widerspiegelt, ist gewollt und kein Widerspruch. Nur dürfen Statussymbole, Reputationen und Gewinn-Beteiligungen nicht die einzige Motivation für Leistung sein. An der Spitze werden Menschen gebraucht, die mit unerschütterlicher Entschlossenheit alles tun, was dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern dient. Menschen, die ihre persönliche Karriere und ihre finanziellen Interessen hinter die Arbeit für das Ganze stellen. Die Wirtschaft braucht keine Helden, sondern Führungspersönlichkeiten, die unternehmerischen Weitblick mit persönlicher Bescheidenheit verbinden.